{"id":754,"date":"2009-06-19T09:41:02","date_gmt":"2009-06-19T07:41:02","guid":{"rendered":"http:\/\/egophobia.ro\/revista\/?p=754"},"modified":"2009-06-19T09:41:02","modified_gmt":"2009-06-19T07:41:02","slug":"europa-wohin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/egophobia.ro\/?p=754","title":{"rendered":"Europa: wohin ?"},"content":{"rendered":"<p>[Andrei Marga, <em>Die Philosophie der europ\u00e4ischen Einigung<\/em>, \u00dcbersetzung von Kurt Schmidts, Cluj-Napoca, University Press,  2009]<\/p>\n<p align=right>von &#350;tefan Bolea<\/p>\n<p align=justify>\nDer Professor Andrei Marga in  Philosophie der europ\u00e4ischen Einigung vor kurzer Zeit in deutscher Sprache, bietet ein Manifest und auch ein  Programm f\u00fcr die im Jahre 1994 gegr\u00fcndete Fakult\u00e4t f\u00fcr Europ\u00e4ische Studien aus Cluj-Napoca, an. Das Hauptargument des Buches besteht in der Schaffung einer europ\u00e4ischen Denkweise, im Herzen von Ost- europa, das vier Jahrzehnte lang symbolisch und politisch von dem Rest des Kontinentes getrennt wurde. Europ\u00e4isch denken hei\u00dft im wahren Sinne des Wortes, \u201eF\u00f6rderung des europ\u00e4ischen Paradigmas statt des bisherigen nationalen Paradigmas\u201c (S. 176). Die Erfrischung oder die Etabilierung einer pro-europ\u00e4ischen Mentalit\u00e4t geh\u00f6rt zur \u00c4nderung des kulturellen Paradigmas nach der Revolution vom 1989, deren Zusammenstellung eine aktive Anteilnahme, nicht nur eine unentschlossene, zweideutige Zuneigung  verlangt. Der rum\u00e4nische Philosoph dr\u00fcckt synthtetisch vom Anfang an diese Idee : \u201eWir alle (haben) Grund anzunehmen, dass wir in Europa, sei es auch mit unterschiedlicher Intensit\u00e4t, den Verlauf eines Paradigmawechsels erleben\u201c (S.9).<!--more--><\/p>\n<p align=justify>F\u00fcr diejenigen, die dem rum\u00e4nischen kulturellen Raum geh\u00f6ren, hat die Zuneigung zum supranationalen Paradigma Europas nicht nur die Bedeutung der Wiedergewinnung  einer historischen Versp\u00e4tung , die w\u00e4hrend eines halben Jahrhunderts das rum\u00e4nische kulturelle Leben paralysiert, das eher einer vitalen Notwendigkeit geh\u00f6rte. \u201eF\u00fcr Osteuropa ist heute die Aneignung des europ\u00e4ischen Paradigmas eine Bedingung kultureller Relevanz und, vielleicht noch dringender eine \u00dcberlebensbedingung\u201c (S. 11). Der Umsturz des sowjetischen Blocks er\u00f6ffnete neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr das ganze Osteuropa ; die Chance und die Verantwortung der aktuellen Generation besteht in der Verwaltung dieser Virtualit\u00e4ten. 1989 war ein Scheidepunkt der europ\u00e4ischen Geschichte. \u201eDie politische Organisationsform des realen Sozialismus und ihre politische Legitimationsbasis, der Marxismus leninistischer Pr\u00e4gung galten von nun an als vollst\u00e4ndig diskreditiert\u201c (S. 264). Dar\u00fcber hinaus er\u00f6ffnet das Jahr 1989 in einer dramatischen Form eine wahre kulturelle Wende, die die Denkweise der historischen Subjekte \u00e4ndert. Mircea Eliade umschreibend, stellt das Wendejahr ein \u00fcberraschender Austritt aus einem Mittelalter (sozialen, kulturellen und politischen), dessen Engheit uns Jahrhunderte lang herrschen konnte. \u201eWir befinden uns heute in Europa am Ende eines hystorischem Zyklus, jenem der Organisierung des Zusammenlebens der Menschen nach dem Prinzip der monadischen Nationalstaaten, und am Anfang eines neuen Zyklus, jenem des gr\u00f6\u00dferen Einheiten\u201c (S. 238).<\/p>\n<p align=justify>Europa definierte sich bis Anfang des 20. Jahrhunderts (bis Amerika aus ihrem  ber\u00fchmten Isolationismus herauskam) im Vergleich zu Asien, der andere gro\u00dfe Sch\u00f6pfer von Kultur, Zivilisation und Philosophie. \u201eDie europ\u00e4ische Kultur [hat sich] von (den asiatischen Kulturen in deren Bezug sie sich gebildet hat, gerade durch die Tatsache abgegrenzt, dass sie die geistige Kultur in Verhaltensformen und Institutionen objektiviert hat\u201c (S. 34). Um diese Idee besser zu \u00fcberraschen, der Differenzierung zwischen dem kulturellen europ\u00e4ischen und asiatischen Raum, bezieht sich Andrei Marga auf Hegel, der den Kampf der Kulturen schon ab seinem Ursprung \u00fcberrascht :  \u201eAchill, der poetische J\u00fcngling, hat es er\u00f6ffnet, und Alexander der Gro\u00dfe, der wirkliche J\u00fcngling hat es zu Ende gef\u00fchrt. Beide erscheinen im Kampf gegen Asien.\u201c (S. 36).<\/p>\n<p align=justify>Angefangen mit dem vorigen Jahrhundert, der zwei blutige Kriege, aus \u00f6konomischen und politischen Standpunkt verw\u00fcstend gez\u00e4hlt hat und der totalit\u00e4re Konflikt zwischen National\u2013Sozialismus und Kommunismus, erh\u00e4lt Europa eine Wieder-Bestimmung aus dem amerikanischen Raum, die kostitutiv f\u00fcr ihre neue Identit\u00e4t ist : \u201e In gewissem Sinne sind Amerika und Europa wie zwei kommunizierende Gef\u00e4\u00dfe verbunden und h\u00e4ngen voneinander ab in ihrem Leistungswettlauf\u201c (S.212). Die Differenz zwischen den beiden Kulturen  beruht auf  den Unterschied zwischen kontemplativer Intuition und intstitutionellem Praktikum, die effektiv diese f\u00fchrende Intuition durchf\u00fchrt. \u201eDie Wurzeln der amerikanischen Kultur sind in Europa [\u2026] Was in Europa eine Idee war, ein aufgekl\u00e4rter Idealismus  oder eine pragmatische Aufkl\u00e4rung, konnte in Amerika Lebensformen annehmen und wurde zu einem institutionellen System\u201c (S.215).<\/p>\n<p align=justify>Die Originalit\u00e4t und Echtheit der europ\u00e4ischen Kultur besteht in der Schaffung einiger  wichtigen Konzepte, die mental, soziologisch, politisch und juristisch gehandelt haben., sie wurden mit Erfolg in anderen kulturellen R\u00e4umen exportiert. \u201eDie europ\u00e4ische Kultur hat die Folgen mancher bedeutender Wahlen, die in einigen Kernkonzepten enthalten sind, ins Spiel geworfen und diese entwickelt : die Wahrhaeit, die Erkenntnis, die Rationalit\u00e4t, die Autonomie, die \u00f6ffentliche Sph\u00e4re, das menschliche Wesen&#8230;\u201c (S. 55). Das Schl\u00fcsselkonzept, der wirklich die europ\u00e4ische Lebensweise ausdr\u00fcckt, die Reihenfolge der wichtigen Konzepte anerkennend, ist das Konzept der Freiheit  f\u00fcr Hegel und Richard Coudenhove-Kalergi geeignet. \u201e Mit einer umfassenden Vision hinsichtlich der Weltgeschichte verband Hegel Europa mit dem Bewusstsein der in seinem Inneren aufgetauchten Freiheit \u2013 eine Freiheit, die sich in Wille und Handlung objektiviert\u201c (S. 36). Der Initiator der pan-europ\u00e4ischen Bewegung stellt fest : \u201e Das Christentum gab Europa Tiefe, das Griechentum Form, das Germanentum Kraft. Aber alle diese drei Dimensionen und Elemente begegnen einander in einem Punkt der europ\u00e4ischen Seele : der Freiheit (S. 40).<\/p>\n<p align=justify>Andrei Marga bemerkt, dass die Europ\u00e4er die globale Kultur auf mehreren Pl\u00e4ne beeinflussten, aber keiner ist sichtbarer und pregnanter als die wissenschaftliche Methodologie. Indem er Wolfgang Wild zitiert, zeigt der  rum\u00e4nische Philosoph, dass der Einfluss der wissenschaftlichen europ\u00e4ischen Theorien total und radikal, im Vergleich mit dem Rest der exportierten Ideen wurde. \u201e Hier haben die aus Europa exportierten Theorien, Versuchsmethoden und Produktionstechniken eine unumschr\u00e4nkte Weltherrschaft erlangt und lokale Traditionen restlos verdr\u00e4ngt\u201c  (S. 47). In folgedessen ist die Methodologie der wissenschaftlichen europ\u00e4ischen Forschung eine seiner dauerhafteren Erbe. \u201eDie europ\u00e4ische Kultur hat zum ersten Mal eine Wissenschaft als faktische Erkenntnis hervorgebracht, die auf das Ausdr\u00fccken der effizienten Ursache mit Gesetzcharakter orientiert war. Diese Ursachen waren mathematisch ausdr\u00fcckbar. Die Wissenschaft war in dem Dienst des L\u00f6sens von technischen Problemen, der Kontrolle und Metamorphose der Dinge gestellt\u201c    (S. 284-285).<\/p>\n<p align=justify>Um das europ\u00e4ische Paradigma zu nuancieren und in die Tiefen zu dringen, stellt der rum\u00e4nische Philosoph den kulturellen Umriss Europas wieder her, indem er durch den Nihilismus Nietzsches, husserlische und heideggerische Phenomenologie geht und die habermasiane Diagnose deutet. Wir werden nur die ersten zwei Denker erw\u00e4hnen. Nietzsche, einer der ersten Philosophen, die die Identit\u00e4tskrise der Europaschaft bemerkten , glaubte trotzdem an einer Natureinheit, die Europa durch Sonderbarkeiten auszeichnet. \u201eInteressanterweise behandelt Nietzsche die europ\u00e4ische Krise aber aus der Perspektive der Wiederentdeckung der kulturellen Einheit des Erdteils. Europa ist Eins schreibt der Vision\u00e4r Nietzsche [\u2026] aber die Einheit erf\u00e4hrt wenigstens in der modernen Epoche wiederspr\u00fcchliche Konvulsionen und Ausdrucksformen\u201c (S. 75). Im Gegenteil bemerkt Husserl die Krise der Rationalit\u00e4t, die zu einer radikalen \u00c4nderung der Art und Weise Europ\u00e4er zu sein, f\u00fchrt. \u201eIch glaube, dass Husserl Recht hatte, als er in der europ\u00e4ischen Krise im Grunde genommen eine Krise des Verstehens der Vernunft sah.     Diese wird nicht mehr als Wegweiser des menschlichen Verhaltens, der imstande ist, dem Leben Sinn zu verleihen , aufgefasst, sondern wird auf ein einfaches Instrument zur L\u00f6sung von \u00dcberlebensfragen, eventuell von Herrschaftsfragen, reduziert\u201c (S. 107).<\/p>\n<p align=justify>Zum Schluss, m\u00f6chten wir auf der Opportunit\u00e4t beharren, die von den Ereignissen vom 1989 er\u00f6ffnet wurden, die imstande sind das nationale Paradigma zu \u00e4ndern, von den passeistischen Reflexen verengt und die durch die Einschlie\u00dfung der L\u00e4nder aus dem gewesenen kommunistischen Block  in die erweiterten Europa , \u00e4ndert den kulturellen europ\u00e4ischen Umriss, indem es dem Erdteil eine zunehmende Identit\u00e4t verleiht. Professor Marga bemerkt : \u201eDie Wiederentdeckung der Identit\u00e4t ist die konkrete M\u00f6glichkeit, die sich in den Jahrzehnten der Nachkriegszeit und mit noch einem Schritt nach 1989 dadurch er\u00f6ffnete, dass sich die europ\u00e4ischen Nationen auf eine  neue Art und Weise zueiander bezogen , dass die Mechanismen zum Ausgang aus dem Nationalismus entdeckt wurden und, dass die Streitigkeiten auf Grund des gegenseitigen Verst\u00e4ndnisses geregelt werden k\u00f6nnen. Dies ist die konkrete M\u00f6glichkeit der europ\u00e4ischenWiedergeburt\u201c (S 125).<\/p>\n<p align=justify>Der Philosoph aus Cluj hat ein ehrgeiziges Opus komponiert, in dem er f\u00fcr eine Denkweise und eine Art Europ\u00e4er zu sein, k\u00e4mpft, greift den Wiederaufbau des Erdteils aus der Perspektive der Einschlie\u00dfung der Standpunkte, die f\u00fcr Osteuropa L\u00e4nder spezifisch sind, vor, die w\u00e4hrend eines fast halben Jahrhunderts \u201eden Geschichteschlaf\u201c kannten.  Indem es uns erinnert, dass Heidegger die Zukunft als die wichtigste Ekstase ansieht, die Konsistenz gibt und Richtung lenkt, ist das Buch von Marga  ein  \u201eVorlaufen\u201c der Schritte, die unternehmen werden m\u00fcssen f\u00fcr konsensuelle europ\u00e4ische Vereinigung, die die kulturelle Erbe jedes einzelnen Staates in Betracht nimmt. In folgedessen betrachte ich die Arbeit des Philosophen aus Cluj als aktuell auch in 10 Jahren, wenn das supranationale Paradigma Wurzeln schl\u00e4gt und das Bewusstsein der individuellen Europaschaft viel kr\u00e4ftiger wird.    <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[Andrei Marga, Die Philosophie der europ\u00e4ischen Einigung, \u00dcbersetzung von Kurt Schmidts, Cluj-Napoca, University Press, 2009] von &#350;tefan Bolea Der Professor Andrei Marga in Philosophie der europ\u00e4ischen Einigung vor kurzer Zeit in deutscher Sprache, bietet ein Manifest und auch ein Programm f\u00fcr die im Jahre 1994 gegr\u00fcndete Fakult\u00e4t f\u00fcr Europ\u00e4ische Studien aus Cluj-Napoca, an. 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