{"id":9250,"date":"2012-11-25T11:47:58","date_gmt":"2012-11-25T09:47:58","guid":{"rendered":"http:\/\/egophobia.ro\/?p=9250"},"modified":"2012-12-25T23:17:42","modified_gmt":"2012-12-25T21:17:42","slug":"der-zahmer-der-gewasser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/egophobia.ro\/?p=9250","title":{"rendered":"Der Z\u00e4hmer der Gew\u00e4sser"},"content":{"rendered":"<p><strong>[1. Kapitel des Romans]<\/strong><\/p>\n<p align=right>von A.R. Deleanu<br \/>\n\u00fcbersetz durch Ana-Maria Her\u021ba<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=justify>\nBitte?<\/p>\n<p>Ich sage: sind Sie Schriftsteller?<\/p>\n<p>Ich? Nein, ich bin kein Schriftsteller.<\/p>\n<p>Der T\u00fcrsteher hat seine Baskenm\u00fctze zur\u00fcck auf seinen kahlen Kopf gesetzt und ihm den R\u00fccken zugedreht. \u00dcber den Tisch gebeugt, hat er angefangen, den Knopf eines alten Radios zu drehen.<\/p>\n<p>,,&#8230;hat in der Pressekonferenz der Regierung ausgesagt, dass die in der Region gefallenen Maste zur Zeit nicht beseitigt werden k\u00f6nnen und das Telekommunikationsnetz nicht repariert werden kann, bis der Sturm aufh\u00f6rt. Wir setzen die Nachrichten fort. Immer mehr D\u00f6rfer sind von den Gew\u00e4ssern bedeckt, und die Beh\u00f6rden&#8230;\u2018\u2018<!--more--><\/p>\n<p>Verdammt!<\/p>\n<p>Der T\u00fcrsteher ignorierte ihn. Ab und zu verfluchte er die Nachrichtensendung und ordnete die Baskenm\u00fctze auf seiner Glatze.\u00a0 Der Verlag war im ersten Stock des alten und massiven Geb\u00e4udes aus dem Stadtzentrum. Er ist hochgegangen.<\/p>\n<p>Verdammt! h\u00f6rte man von unten.<\/p>\n<p align=center><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/i158.photobucket.com\/albums\/t103\/egophobia\/36\/ar-deleanu\/ar-deleanu-imblanzitorul-apelor-cop1-3d-rgb.png?w=600\" ><\/p>\n<p align=justify>\n<p>Der Stock brachte drei T\u00fcren unter: die eine war die T\u00fcr des Verlages, die zweite f\u00fchrte in ein Pfandhaus und die dritte schien nirgendwohin zu f\u00fchren. Er wagte es noch nicht hineinzugehen, schaute das aufgeklebte Logo an der T\u00fcr an und dachte an das Gesicht des Redakteurs, wenn er die T\u00fcr aufmachen w\u00fcrde. Er hat ihn bis jetzt noch nicht angerufen, um \u00fcber das Manuskript zu reden, aber er konnte auch nicht ewig warten. Ein in der Schublade vergessenes Manuskript wird nicht \u00fcber Nacht zu Brot. Er hat geklopft. Durch das offene Fenster am Ende des Flures h\u00f6rte er den Regen st\u00e4rker werden. Er hat angefangen, lauter an die T\u00fcr zu klopfen. Einmal, zwei Mal \u2013 immer lauter.<\/p>\n<p>Die T\u00fcr flog an die Wand und vor ihm ist ein hoher und buckeliger Mann mit einem Stummel Zigarette im Mund erschienen. Er hat sich die Kippe von den Lippen gerissen und gesagt:<\/p>\n<p>Was klopfst du so? Denkst du, ich sei taub?<\/p>\n<p>Entschuldigen Sie, ich dachte&#8230;<\/p>\n<p>Eh, du dachtest. Was willst du?<\/p>\n<p>Ich wollte mit Ihnen \u00fcber mein Manuskript reden.<\/p>\n<p>Der Mann hat ihm den R\u00fccken zugedreht und ist auf den Schreibtisch zugegangen. Er hat sich auf den Stuhl gesetzt und angefangen, die Stapel Manuskripte und B\u00fccher vom Tisch zu seinen F\u00fc\u00dfen zu versetzen. Er schl\u00fcrfte etwas aus einem Glas und paffte aus dem Stummel, der zwischen seinen Lippen steckte. Im ganzen Raum roch es nach Alkohol und abgestandener Luft.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte \u00fcber den Roman diskutieren.<\/p>\n<p>Was denn?<\/p>\n<p>Vielleicht\u00a0 beschleunigen wir die Dinge ein bisschen.<\/p>\n<p>Eile? Aber ihr habt es ja sehr eilig. Hast du nach drau\u00dfen geblickt? Wohin beeilst du dich so?<\/p>\n<p>Nein, aber&#8230;<\/p>\n<p>Name.<\/p>\n<p>Bitte?<\/p>\n<p>Dein Name.<\/p>\n<p>Er hat ihm den Namen gesagt und der Mann hat seine Zigarette in einem vollen Aschenbecher ausgemacht. Der letzte Stummel passte nicht mehr hinein und ist lautlos neben den Aschenbecher gefallen.<\/p>\n<p>Ja, gut, ich wei\u00df.<\/p>\n<p>Haben Sie Sich meinen Roman angesehen?<\/p>\n<p>Ja, ich habe ihn mir angesehen.<\/p>\n<p>Und?<\/p>\n<p>Was und?<\/p>\n<p>Nun, was denken Sie?<\/p>\n<p>Der Mann hat das Glas in einem Zug geleert, dann hat er sich geb\u00fcckt und eine neue Flasche unter dem Schreibtisch hervorgeholt. Er hat sein Glas halb gef\u00fcllt und sich zum Fenster gedreht.<\/p>\n<p>Du, siehst du was drau\u00dfen ist? Was zur H\u00f6lle interessieren dich Hirngespinste jetzt? Literatur willst du, wenn du siehst, was drau\u00dfen ist? Schau dich an, du bist klitschnass, zitterst vor K\u00e4lte und du denkst immer noch an Literatur.<\/p>\n<p>Es hat lange gedauert, ihn zu schreiben, ich gehe st\u00e4ndig mit ihm herum, Sie wissen, wie es ist.<\/p>\n<p>Nein, ich wei\u00df nicht, wie es ist. Ich habe nie einen Roman geschrieben und ich werde in diesem Alter auch nicht damit anfangen.<\/p>\n<p>Ich wollte kommen, damit wir diskutieren, bis das Zentrum nicht auch noch \u00fcberflutet ist, man kann noch verkehren. Ich dachte, dass wir die Dinge ein bisschen beschleunigen, denn wir haben es nicht leicht, wir sind jung, wir brauchen ein bisschen Geld, etwas.<\/p>\n<p>Geld? Also brauchst du Geld. Wer braucht kein Geld? Ich brauche auch Geld, aber wie soll ich mit solchen wie dir etwas verdienen?<\/p>\n<p>Wenn es nicht m\u00f6glich ist, soll ich wenigstens mein Manuskript zur\u00fccknehmen.<\/p>\n<p>Der Mann ist vom Schreibtisch aufgestanden und ist vor dem Fenster stehengeblieben.<\/p>\n<p>Schau was drau\u00dfen ist, hat er gesagt. Es ist eine Katastrophe. Unser Lagerhaus wurde \u00fcberflutet, ich hab Menschen, die in D\u00f6rfern steckengeblieben sind, zuhause nerven mich meine Kinder, weil meine Frau sie nicht mehr in die Schule schickt, weil sie etwas durch den Wind ist. Sie hat mich mit einer G\u00f6re erwischt, meine G\u00fcte. Seit drei N\u00e4chten schlafe ich hier und du kommst und nervst mich mit deinem Buch.<\/p>\n<p>Ich verstehe.<\/p>\n<p>Eh, du verstehst, gar nichts verstehst du.<\/p>\n<p>Doch, ich verstehe Sie, weil ich selber Sorgen habe, ich habe eine ganze Menge Sorgen. Sie haben\u00a0 gesehen, wie viele Probleme auch im Schulsystem sind, besonders, wenn man am Anfang ist.<\/p>\n<p>Nun, hab ich dich in die Schule geschickt?<\/p>\n<p>Also, haben Sie meinen Roman gelesen?<\/p>\n<p>Ja, Junge, ich hab ihn gelesen.<\/p>\n<p>Und?<\/p>\n<p>Was und?<\/p>\n<p>Nun, wie ist er?<\/p>\n<p>Ich kann jetzt nichts mit ihm anfangen.<\/p>\n<p>Aha, ich verstehe&#8230; aber wie ist er?<\/p>\n<p>Er ist schwach.<\/p>\n<p>Es hat ihn wie eine Faust ins Gesicht getroffen. Noch ein Verlag, der seinen Roman nicht wollte. Einfach: er ist schwach und das war\u2019s. Es geht nicht um einen Stecker, der kaputtgeht, oder Putz, der von der Wand f\u00e4llt, sondern um ein Buch, das entweder gef\u00e4llt oder nicht, so einfach ist es. Und wenn es nicht gef\u00e4llt, ist es umsonst, es ist nutzloser als ein kaputter Stecker oder abgefallener Putz, weil es nicht ver\u00f6ffentlicht wird, niemand es sieht, also es nicht existiert. So einfach war es.<\/p>\n<p>Warum? hat er gefragt.<\/p>\n<p>Nun, ich soll dir sagen warum? Du hast ihn geschrieben. Er w\u00fcrde nicht verkauft werden, du, er ist ein Deb\u00fct, aber hat keine Eier. Schreib auch du am Anfang \u00fcber etwas anderes, so, wenigstens die ersten zwei B\u00e4nde.<\/p>\n<p>Wor\u00fcber soll ich schreiben?<\/p>\n<p>\u00dcber etwas anderes, ich wei\u00df nicht.<\/p>\n<p>Aber wenn mich das interessiert, was soll ich schreiben?<\/p>\n<p>Was interessiert mich, was dich interessiert? Schreib auch du etwas mit mehr Eiern, dass dich diese in der Zeitung ver\u00f6ffentlichen, dass dein Gesicht da auf dem Papier ist. Schmei\u00df ein paar Stra\u00dfengeschichten, Gettogeschichten, etwas, rein. Etwas mit den Plattenbauten, wei\u00dft du?<\/p>\n<p>Ja.<\/p>\n<p>Also, mit denen. Ein paar geschiedene Familien, ein paar Drogen. Ekel geht immer. Steck etwas ekliges rein, h\u00f6r auf mich. Dass du den Magen der Alten umdrehst und siehst, dass es sie trotzdem im Arsch juckt, umzubl\u00e4ttern. Und auf der n\u00e4chsten Seite, hopp, fickst du sie auch in den Arsch. Du wirst sehen, wie sie danach das Ganze liest. B\u00f6se M\u00e4dchen, die b\u00f6se Sachen mit b\u00f6sen Jungs tun, so was, die G\u00f6ren sind begeistert von solchen Sachen. Hast du diese neueren Soaps nicht gesehen? Schaust du kein fern?<\/p>\n<p>Doch, manchmal, aber es ist nicht viel Zeit.<\/p>\n<p>Aber zum B\u00fccher schreiben hast du Zeit? Lieber w\u00fcrdest du fernsehen, als diesen Quatsch zu schreiben. Und was ist mit diesem Stil? Liest du keine B\u00fccher? Schreibst nur? Du bist romantisch, dichtest billig, ich wei\u00df nicht, was mit dir los ist. Lieber w\u00fcrdest du Konditor werden. So schreibt man nicht. Wei\u00dft du, was wir jetzt machen?<\/p>\n<p>Er hat nicht geantwortet, er wartete darauf, dass die Rede zu Ende war. Er wusste nicht, wie lange er es noch aushielt, er dachte, dass eine Faust auf die Nase ihn zum Schweigen bringen w\u00fcrde, aber er hoffte immer noch, dass hinter all den Beleidigungen ein Vertrag zur Ver\u00f6ffentlichung steckte.<\/p>\n<p>Prosa, du, das machen wir. Was du da machst ist keine Prosa, aber es ist auch keine Dichtung. Es ist etwas dazwischen, eine unschl\u00fcssige Kreatur. In der Literatur ist kein Platz f\u00fcr Schwule und Hermaphroditen. Die Welt der B\u00fccher ist nicht vollkommen, andere B\u00fccher springen auf diese Brosch\u00fcre von dir und zerfleischen sie und erbrechen sie irgendwo auf einem zerstaubten Regal aus einem Antiquariat, das kleiner als dieses Zimmer ist.<\/p>\n<p>Er kannte diese Art von Rede, es war nicht das erste Mal, dass er sie h\u00f6rte. Er stand brav wie ein Sch\u00fcler mit den H\u00e4nden auf den Knien und sp\u00fcrte, wie ihm das Blut in den Kopf stieg.<\/p>\n<p>Sex! hat der Mann geschrien. Warum hast du keinen Fick reingesteckt?<\/p>\n<p>Ich wollte nicht. Es war nicht der Platz daf\u00fcr, hat er geantwortet.<\/p>\n<p>Du wolltest nicht. Es war nicht der Platz daf\u00fcr. Nun, es ist nicht wahrheitsgetreu, du. Was, fickst du nicht? Sag mal, wie lange dauert die Handlung in diesem Roman, oder was das ist?<\/p>\n<p>Ein paar Wochen.<\/p>\n<p>So. Und in ein paar Wochen fickt keiner? Gut, ich nicht, weil ich alt bin und viel trinke. Zur G\u00f6re gehe ich mit erhobenen Fingern, wie in der Schule, aber du? Fickst du nicht?<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte, dass Sie mir das Manuskript zur\u00fcckgeben.<\/p>\n<p>Sag, du, fickst du? hat er angefangen zu schreien. Und was ist mit diesem Thema: ein Haus, das vom Wasser genommen wird. Wenn es genommen wird, wird es weggetragen, du, und zerst\u00f6rt. Hast du nicht im Fernsehen gesehen, was sie zeigten? Wenn das Wasser kommt, tr\u00e4gt es sie nicht lange, es zerst\u00fcckelt sie. Wie sollen die im Haus so viele Wochen weiterleben? Wer soll dir glauben? Du musst den Leser anl\u00fcgen. Der Schriftsteller ist der einzige Mensch, dessen Berufung die L\u00fcge ist. Und die Erfindung. Nein, ich mache einen Fehler.<\/p>\n<p>Er hat angehalten und sein Glas aufgef\u00fcllt, das er in einem Zug geleert hat, dann hat er laut geschmatzt und gesagt:<\/p>\n<p>Nein, ich mache einen Fehler, da gibt es noch die Pfarrer. Die verdienen mehr, als die Schriftsteller, warum wirst du kein Pfarrer? Du w\u00e4rst besser, denn ich sehe, dass du zuh\u00f6ren kannst.<\/p>\n<p>Ich kann auch&#8230;, h\u00e4tte er sagen wollen, aber er hat geschwiegen.<\/p>\n<p>Du, ich hab solche wie dich satt, du! Ich rede mit dir! Ihr Wichser. Ihr seid weit weg von der Welt, du, in den Wolken.<\/p>\n<p>Er ist in eine Ecke des Zimmers gegangen und hat den Schlafsack \u00fcber den Kopf gehoben.<\/p>\n<p>Schau, das ist die Realit\u00e4t, hat er gesagt.<\/p>\n<p>Er hat an den Vorh\u00e4ngen gezogen, bis er sie aus der Galerie gerissen hat.<\/p>\n<p>Schau! Schau nach drau\u00dfen! Wenn du dar\u00fcber schreiben wirst, sollst du zu mir kommen, damit ich dich ver\u00f6ffentliche.<\/p>\n<p>Nun, zuf\u00e4llig schreibe ich dar\u00fcber.<\/p>\n<p>Du schreibst nicht, sag so etwas nicht, ich wei\u00df, wor\u00fcber ich rede! Wie viel schreibst du, zwei Seiten?<\/p>\n<p>Flasche \u2013 Glas \u2013 Schlucken \u2013 Schmatzen.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df was ich sage, schrie er weiter. Ich sagte nicht, dass du \u00fcber den Regen schreiben sollst, sondern \u00fcber die Menschen im Regen.<\/p>\n<p>Ich glaube nicht, dass Sie mein Buch gelesen haben, weil, wenn Sie es getan h\u00e4tten&#8230; hat er gesagt, aber er h\u00f6rte ihm nicht zu.<\/p>\n<p>Der Redakteur beugte sich \u00fcber den Schreibtisch und hat sein steinernes Gesicht ein paar Zentimeter von seinem gest\u00fctzt.<\/p>\n<p>Du: ich \u2013 schei\u00df \u2013 auf \u2013 dein \u2013 Buch!<\/p>\n<p>Klar und deutlich. Ein paar Speicheltropfen, mit starkem Alkohol vermischt, sind von seinen Lippen auf die Nase des jungen Mannes gesprungen. Er war f\u00fcr eine solche Szene nicht vorbereitet. Das Erste was ihm in den Sinn kam war aus dem Stuhl zu springen und den Mann am Kragen des Hemdes zu fassen. So handelten die M\u00e4nner in B\u00fccher und Filmen. Er ist an den Hals des Redakteurs gesprungen. Ein Knopf ist abgegangen und genau in das Glas zwischen ihnen gefallen. Er hat den Mann auf den Schreibtisch umgeworfen und gesagt:<\/p>\n<p>Das Manuskript.<\/p>\n<p>Du, ich bin ein alter Mann, was zum Teufel&#8230;<\/p>\n<p>Das Manuskript.<\/p>\n<p>In der Schublade, die von unten.<\/p>\n<p>Das Manuskript lag in der Schublade, mit Kaffee befleckt und zerkn\u00fcllt. Mit zerknittertem Kragen, einem fehlenden Knopf, sah ihn der Redakteur verdutzt an.<\/p>\n<p>Komm, sei jetzt nicht so. Ich bin auch genervt, diese Gew\u00e4sser haben mich durcheinandergebracht. Nimm es nicht so.<\/p>\n<p>Aber der junge Mann war schon auf die Treppen hinausgegangen.<\/p>\n<p>Arbeite noch an ihm und komm noch zu mir, gut? hat ihm der Mann nachgeschrien, aber der junge Mann war schon im Erdgeschoss und ging am T\u00fcrsteher mit Baskenm\u00fctze und Radio vorbei.<\/p>\n<p>Bl\u00f6de Schei\u00dfe! hat einer von ihnen gesagt.<\/p>\n<p>Drau\u00dfen war die Stra\u00dfe ein Fluss. Er ekelte sich und er war m\u00fcde geworden. Es gibt keine Rezepte f\u00fcr so etwas, nichts h\u00e4tte den bitteren Geschmack aus seinem Mund vertreiben k\u00f6nnen. Er ist eine Weile im Regen stehengeblieben. Er f\u00fchlte sich schmutzig. Das Wasser stand schon \u00fcber den Fu\u00dfsohlen und riss alles nach sich, den Schmutz irgendwo weit weg die Stra\u00dfe hinunter sammelnd. Ein Kind lief mit dem Kopf nach unten durch den Regen. Es hat ihn getroffen und das Manuskript ist in die Pf\u00fctze gefallen. Er hat sich nicht geb\u00fcckt, um es aufzuheben, er ist da geblieben und hat angesehen, wie das Wasser es hinuntersp\u00fclte. Ohne etwas zu sagen lief das Kind mit nassen Hosen weiter. Er hat es angeschaut, bis es hinter einer Ecke verschwunden ist, es schien, als ob er alles nach sich zog, sogar das Wasser bog nach ihm ab. Das Manuskript st\u00fctze sich auf den Haufen Schmutz. Er ekelte sich. Er wollte ihm nicht hinterherlaufen, er f\u00fchlte nichts, au\u00dfer dem wunden Ekel, aber vielleicht war sogar das kein Ekel, sondern M\u00fcdigkeit. Er h\u00e4tte viel schlafen wollen. Vielleicht sogar nie wieder aufwachen. Es hat ihn genervt, zu h\u00f6ren, dass das Manuskript schwach sei \u2013 nicht, dass er es nicht geahnt h\u00e4tte \u2013, dass es zu nichts gut sei, aber jetzt, als es nicht nur schwach, sondern auch nass und bald ganz verschwunden war, ging ihn gar nichts mehr an. Vielleicht Ekel, vielleicht Schlaf. Er hat seine Kr\u00e4fte gesammelt, um nach einem Taxi zu rufen.<\/p>\n<p>Das Radio schrie.<\/p>\n<p>,,&#8230;hat 65 l\/qm gesammelt. Die Landesverwaltung hat durch eine Pressemitteilung kundgegeben, dass der Regen in immer h\u00f6heren Mengen fallen wird. Eine Krisenzelle befindet sich zur Zeit in der Regierung, um festzulegen, ob die Warnung h\u00f6chster Stufe auch f\u00fcr die restlichen Kreise des Landes aufgestellt wird. Herr&#8230;\u2018\u2018<\/p>\n<p>Er konnte seine Gedanken nicht mehr h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Entschuldigen Sie, k\u00f6nnten Sie das Radio ein bisschen leiser machen? hat er den Taxifahrer gefragt.<\/p>\n<p>Der Fahrer hat das Radio ausgeschaltet, nicht ohne den Blick kurz auf die Ecke des R\u00fcckspiegels zu richten. Jetzt konnte er all seine Gedanken h\u00f6ren, er h\u00f6rte sie klar, das Ger\u00e4usch war Bild, zehnfache Verbindungen in seinem vom Regen und Ekel wirren Kopf. Die Gedanken hingen am Gehirn wir die Tannenbaumdekorationen aus einem l\u00e4cherlichen Weihnachtsgem\u00e4lde. Wie Weihnachten dieses Jahr wohl aussehen w\u00fcrde? Genauso \u00e4rmlich. Und immer noch dort im Haus. Er wusste, dass er von dort weggehen musste, nicht f\u00fcr ihn, er h\u00e4tte es noch ausgehalten, sondern f\u00fcr sie, die angefangen hatte, ihn immer \u00f6fter an ihren Wunsch, von dort auszuziehen, zu erinnern. Er verstand sie, aber er wusste nicht, was er ihr noch sagen sollte. Wenn dieser Taxifahrer sich nicht so sehr beeilen k\u00f6nnte&#8230; Er hat es ihr schon seitdem sie zu ihm gezogen sind versprochen. Er hat ihr gesagt: ich wei\u00df, dass es nicht die beste Idee ist, zu meinen Eltern zu ziehen, aber es ist nur, bis wir etwas finden, woanders. Das war f\u00fcnf Jahre her, als alles Sinn zu haben schien, als sie Zeit hatten. Es braucht einen einzigen Augenblick und die Zeit erschreckt sich und hastet los, \u00fcber alle stampfend. Am Abend, an dem seine Mutter starb, hat die Zeit das Haus verlassen. Am selben Abend wollte er sie seinen Eltern vorstellen. Eine T\u00fcr und zwei Frauen \u2013 die eine kam hinein, die andere ging heraus. Sie ist geblieben und, mit ihr, sind auch das Schweigen und die stummen Unruhen geblieben. Zwischen den W\u00e4nden des Hauses sprach man nicht \u00fcber den Abend. Es wurde das Kommen der Nacht erwartet, die Verdunkelung der W\u00e4nde, um unter den Decken fl\u00fcstern zu k\u00f6nnen. In den N\u00e4chten sagte sie ihm, dass es nur ihre Schuld war, dass sie den Tod ins Haus gebracht hatte, und er k\u00e4mpfte bis zum Morgen, um ihr zu erkl\u00e4ren, dass es nicht wahr sei. Aber wenn es d\u00e4mmerte und die W\u00e4nde erschienen, schwieg man. Sie und der Alte trafen sich auf den Fluren des Hauses, beugten ihre K\u00f6pfe und schwiegen. Die Zeit hatte das Haus verlassen und die Bewohner alleine gelassen. Der Alte, fr\u00fcherer Weinh\u00e4ndler und Besitzer von Weinrebe, hat sein Gesch\u00e4ft verkauft und sich in ein Zimmer zur\u00fcckgezogen, das im Keller des Hauses improvisiert wurde, wo er zwischen Erinnerungen und Weinf\u00e4ssern wohnte, manchmal zu betrunken, um die Treppen hinaufzusteigen. Ohne die Zeit und die Frau hat der Alte B\u00fcndnis mit dem Alkohol eingegangen, dem er sich fr\u00fcher nur selten und mit einiger Zur\u00fcckhaltung n\u00e4herte. Die Zeit floss f\u00fcr ihn wie der Wein aus dem Fass ins Glas und so z\u00e4hlte er seine Tage. Wenn der Wein aus einem Fass zu Ende war, sagte er, dass er auch immer n\u00e4her am Tod sei. In ihrem Haus waren Mauern ohne T\u00fcren oder Fenster aufgerichtet worden.<\/p>\n<p>Nehmen wir die Hauptstra\u00dfe? hat ihn der Fahrer gefragt.<\/p>\n<p>Ist das der k\u00fcrzeste Weg?<\/p>\n<p>Ja.<\/p>\n<p>Dann nicht. Fahr weiter, bitte.<\/p>\n<p>Sicher war sie aufgestanden. Er hatte sie l\u00e4nger schlafen lassen. Sie haben sich gefreut, dass sie eine Weile zu Hause bleiben konnten. Viele Lehrer und Sch\u00fcler von au\u00dferhalb der Stadt steckten fest und der Direktor hatte allen gesagt, zu Hause zu bleiben. Den beiden hat er einen Arm um die Schultern gelegt und gefragt: seit wann habt ihr keine Pause mehr gemacht? Er mochte sie, aber beide vermuteten, dass seine Sorge einem Gef\u00fchl des Mitleids entsprang. Sie brauchten das nicht, sie brauchten Geld. Das sagte sie auch immer \u00f6fters in der letzten Zeit: ich brauche nicht das Mitleid der Menschen, sondern ihr Geld. Und er nickte, ja, so sei es. Sie sind beide h\u00e4ndchenhaltend aus dem Lehrerzimmer in den Regen gegangen, sich Pl\u00e4ne f\u00fcr die ganze Woche machend. Beide wussten, dass sie sich nicht daran halten w\u00fcrden, aber sie machten Pl\u00e4ne weil sie nichts kosteten. Er wusste, dass ihr Arbeitsplatz ihr nicht gefiel. Bevor sie ihn traf wollte sie ihr Studium im Ausland fortsetzen, wo sie sich auch kennengelernt hatten. Er wusste auch, dass es ihr schwergefallen war, zu akzeptieren, zur\u00fcck ins Heimatland zu kommen und zu ihm zu ziehen. Er wusste all das. Er sah ihre Reue aus dem Augenwinkel w\u00e4hrend sie sich liebten und, nachdem sie fertig waren, fragte er sie: bereust du, dass du mit mir gekommen bist? Sie st\u00f6hnte und antwortete ihm nicht. N\u00e4chstes Jahr ziehen wir um. Er hat es ihr vier Mal gesagt, ein Mal jedes Jahr. Was soll er ihr jetzt noch sagen?<\/p>\n<p>Fertig, sagte der Fahrer, wir sind angekommen. Ich ziehe mich zur\u00fcck, es ist die H\u00f6lle.<\/p>\n<p>Er hat ihm nicht geantwortet, es interessierte ihn nicht, ob er sich zur\u00fcckzog oder nicht, er hatte nur Angst, auszusteigen. So bald er die T\u00fcr zuschlug, hat der Fahrer das Radio angeschaltet und ist durch den Regen gestartet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[1. 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